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Regenwasser für WC und Waschmaschine: Technik und Pflichten

Im Haus spart Regenwasser das ganze Jahr Trinkwasser, nicht nur im Sommer. Dafür brauchst du ein zweites Leitungsnetz, das nie mit dem Trinkwasser verbunden sein darf. Dazu kommen drei Meldungen: Gesundheitsamt, Wasserversorger und Gemeinde.

Stand: 7. November 2026

Was du im Haus mit Regenwasser machen darfst

Regenwasser ist kein Trinkwasser. Im Haus kommt es nur dort infrage, wo niemand es trinkt und der Körper kaum Kontakt hat: in der WC-Spülung, in der Waschmaschine und an Zapfstellen für Garten und Reinigung. Für Küche, Dusche, Waschbecken und Badewanne bleibt es beim Trinkwasser.

Diese Nutzungen lohnen sich, weil sie gleichmäßig über das Jahr anfallen. Unsere Rechnung geht von folgenden Kennwerten aus:

Verbrauchje Person und Jahr4 Personen
WC mit Spartaste8,8 m³35,2 m³
WC ohne Spartaste14,0 m³56,0 m³
Waschmaschine4,4 m³17,6 m³

Kennwerte nach der Wilo-Planungsunterlage zu DIN 1989. Dein tatsächlicher Verbrauch kann abweichen.

Die Technik: ein zweites Leitungsnetz

Eine Hausanlage besteht aus mehr als dem Tank. Die Teile im Überblick:

  • Zisterne mit Filter vor oder im Tank, beruhigtem Zulauf und schwimmender Entnahme knapp unter der Wasseroberfläche. So bleibt Schwebstoff am Boden liegen.
  • Pumpe: entweder eine Tauchdruckpumpe im Tank oder eine Regenwasserzentrale im Keller, die aus dem Tank ansaugt.
  • Nachspeisung mit Trinkwasser: Ist der Tank leer, muss das WC trotzdem spülen. Dann wird Trinkwasser zugeführt, aber nur über eine Trennung, die keinen Rückfluss erlaubt.
  • Eigenes Leitungsnetz vom Pumpenausgang zu jedem WC-Spülkasten, zum Waschmaschinenanschluss und zu Zapfstellen. Es läuft vollständig getrennt von den Trinkwasserleitungen.
  • Überlauf am Tank, in den Kanal oder in eine Versickerung. Details unter Überlauf der Zisterne.

Die Regeln der Technik dafür stehen in DIN 1989-100:2022-07. Sie hat die alten Teile DIN 1989-1 bis -4 abgelöst und ergänzt die europäische DIN EN 16941-1.

Regenwasserzentrale oder Tauchdruckpumpe?

Eine Regenwasserzentrale vereint Pumpe, Steuerung und Nachspeisebehälter in einem Gerät an der Wand. Sie erkennt den Füllstand im Tank und schaltet bei leerem Tank auf Trinkwasser um. Für die Hausnutzung ist das die übliche Lösung. Eine Tauchdruckpumpe im Tank ist günstiger, braucht für leere Phasen aber ein eigenes Nachspeisemodul mit freiem Auslauf. Laut Wilo gehört die Nachspeiseeinrichtung nicht in den Speicher oder den Einstiegsschacht, sondern ins Haus.

RegenwasserzentraleFörderhöhe max.Leistung
Wilo Wilo-Rain1-25 EM (2551469) 49 m 500 W
Wilo Wilo-Rain1-45 EM (2551470) 52 m 800 W
Grundfos RMQ 3-35 A (96494776) 35 m 850 W
Grundfos RMQ 3-45 A (96494778) 45 m 1.000 W
KSB Hya-Rain Eco 43 m –
Dehoust Regenmanager RM 3 (812240) 44 m 805 W
Dehoust Regenmanager RM 5 (815092) 68 m 1.510 W

Herstellerangaben aus Datenblättern, Stand November 2026. Leistungsangaben sind je nach Hersteller Aufnahme- oder Wellenleistung. Mehr Modelle und Kriterien unter Pumpen und Pumpe für die Zisterne.

Nachspeisung nur über freien Auslauf

Das wichtigste Bauteil ist die Trennung zwischen Trinkwasser und Regenwasser. Nach § 13 Abs. 3 TrinkwV darf eine Trinkwasseranlage nur über eine Sicherungseinrichtung nach den anerkannten Regeln der Technik mit einer Nichttrinkwasseranlage verbunden werden. Für Regenwasser ist das der freie Auslauf nach DIN EN 1717: Das Trinkwasser fällt mit Luftabstand in einen offenen Behälter, die Trinkwasserleitung berührt das Regenwasser nie. So kann nichts zurück ins Netz gesaugt werden.

Die Norm kennt zwei Bauarten: Typ AA mit sichtbarer, freier Fließstrecke und Typ AB mit festem senkrechtem Abstand zwischen Zulauföffnung und höchstem Wasserspiegel. Der Luftabstand muss laut Wilo mindestens doppelt so groß sein wie der Innendurchmesser des Zulaufs und mindestens 20 mm betragen, Wilo empfiehlt 30 mm. Regenwasserzentralen haben diesen Behälter eingebaut. Dehoust nennt für den Regenmanager einen freien Auslauf Typ AB nach DIN EN 1717, Grundfos für den RMQ einen Nachspeisebehälter von 8 bis 10 Litern mit freiem Auslauf nach EN 1717.

Eine direkte Verbindung zwischen Regenwasser- und Trinkwasserleitung ist verboten, auch wenn ein Hahn dazwischen sitzt. Wer so etwas im Bestand findet, lässt es vom Installateur zurückbauen.

Kennzeichnung und Zapfstellen

§ 13 Abs. 4 TrinkwV verlangt drei Dinge, wenn im Haus neben dem Trinkwasser eine Nichttrinkwasseranlage läuft:

  1. Die Leitungen beider Netze sind dauerhaft und unverwechselbar gekennzeichnet. Wilo nennt dafür Trassenbänder unter Putz und Klebefahnen auf Putz, für sichtbare Leitungen die Kennzeichnung nach DIN 2403. Zusätzlich gehört ein Hinweisschild an den Haupthahn der Trinkwasserversorgung.
  2. Jede Entnahmestelle für Regenwasser ist dauerhaft als Nichttrinkwasser gekennzeichnet, etwa mit einem Schild „Kein Trinkwasser“.
  3. Die Entnahmestellen sind gegen versehentliches Trinken gesichert. Üblich sind Auslaufventile mit abnehmbarem Griff oder abschließbare Zapfstellen. Außenzapfstellen sichert man gegen unbefugte Nutzung.

Gerade wenn Kinder im Haus sind oder später jemand anderes im Haus wohnt, ist das wichtig. Die Kennzeichnung bleibt auch bei Umbauten erhalten.

Die Pflichten im Überblick

WemWasGrundlage
GesundheitsamtAnzeige der Anlage spätestens 4 Wochen vor Baubeginn, Stilllegung innerhalb von 3 Tagen§ 12 TrinkwV
WasserversorgerMitteilung vor Errichtung einer Eigengewinnungsanlage; keine Rückwirkung ins Netz§ 3 Abs. 2 AVBWasserV
Gemeinde, AbwasserbetriebMeldung wegen der Schmutzwassergebühr, oft mit Zähler am Regenwasserstrangörtliche Abwassersatzung
InstallationsunternehmenArbeiten an der Trinkwasserinstallation, auch der Anschluss der Nachspeisung§ 12 AVBWasserV

Gesundheitsamt: § 12 TrinkwV

Wer im Gebäude neben der Trinkwasserinstallation eine Anlage für Nichttrinkwasser betreibt, muss sie beim Gesundheitsamt anzeigen. Die Frist: spätestens vier Wochen vor Baubeginn. Wird die Anlage stillgelegt, meldest du das innerhalb von drei Tagen. Die Länder können dafür Vordrucke oder elektronische Verfahren vorschreiben, viele Gesundheitsämter haben ein Formular. In Bayern verweist das Landesamt für Umwelt auf die Anzeige bei der Kreisverwaltungsbehörde, zu der das Gesundheitsamt gehört. Eine reine Gartenzisterne ohne Leitung ins Haus fällt nach dem Wortlaut nicht unter diese Pflicht.

Wasserversorger: § 3 Abs. 2 AVBWasserV

Der Satz in der Verordnung ist knapp: Vor der Errichtung einer Eigengewinnungsanlage hast du dem Wasserversorger „Mitteilung zu machen“. Außerdem musst du sicherstellen, dass von deiner Anlage keine Rückwirkungen in das öffentliche Netz möglich sind. Das ist wieder der freie Auslauf. Nach Abs. 1 muss der Versorger dir ermöglichen, deinen Bezug auf einen Teil des Bedarfs zu beschränken.

Gemeinde: Zähler für die Schmutzwassergebühr

Das Wasser aus WC und Waschmaschine landet im Schmutzwasserkanal. Die Schmutzwassergebühr wird aber nach dem bezogenen Trinkwasser berechnet. Deshalb verlangen viele Satzungen, dass du die Regenwassermenge erfasst: mit einem geeichten Zähler oder über eine Pauschale. Köln setzt zum Beispiel pauschal 10 m³ je Person und Jahr für das WC und 5 m³ für die Waschmaschine an, auf Antrag zählt ein fest eingebauter, geeichter Zwischenzähler. Die Wilo-Planungsunterlage sieht getrennte Zähler für die Trinkwassernachspeisung und die Regenwasserentnahme vor. So erkennst du auch, wie viel Trinkwasser in trockenen Phasen nachgespeist wurde. Mehr dazu unter Niederschlagsgebühr senken.

Nur mit eingetragenem Installationsunternehmen

Nach § 12 Abs. 2 AVBWasserV darf die Kundenanlage hinter dem Hausanschluss nur vom Versorger oder von einem Installationsunternehmen errichtet, erweitert oder geändert werden, das im Installateurverzeichnis eines Wasserversorgers eingetragen ist. Netzbetreiber wie Westfalen Weser Netz verweisen in ihren Richtlinien ausdrücklich darauf. Für die Regenwasseranlage heißt das: Den Tank kannst du selbst setzen und Regenwasserleitungen selbst vorbereiten. Den Anschluss der Nachspeisung an das Trinkwasser macht der Fachbetrieb. Lass dir die fertige Anlage abnehmen und die Kennzeichnung bestätigen.

Hygiene und Waschmaschine

Regenwasser enthält Keime aus Staub, Laub und Vogelkot auf dem Dach. Das Landesamt für Umwelt in Bayern rät, das Wasser vor dem Speicher fein zu filtern und den Speicher kühl und dunkel zu halten. Für die WC-Spülung nennt es sauberes Regenwasser ausdrücklich als geeignet. Von Gras- und Bitumendächern kann das Wasser gefärbt sein und taugt dann nicht mehr zum Wäschewaschen.

Zur Waschmaschine fasst die Wilo-Planungsunterlage den Stand so zusammen: Bei fachgerechter Anlage sieht sie kein gesundheitliches Risiko. Zisternenwasser erreiche bei guter Ausführung und Wartung in über 95 % der Fälle die Qualität, die für Badegewässer gilt. Trinkwasser zum Waschen muss im Haushalt aber verfügbar bleiben, in Kindergärten, Krankenhäusern und Seniorenheimen ist es laut einer Wilo-FAQ vorgeschrieben. Weil Regenwasser weich ist, sinkt der Waschmittelbedarf laut einem dort zitierten Praxisbericht um 30 bis 45 %.

  • Für Wäsche von Säuglingen, Pflegebedürftigen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem kannst du auf Trinkwasser umschalten oder das Gesundheitsamt fragen.
  • Filter regelmäßig reinigen, siehe Regenwasserfilter.
  • Bei Gelbfärbung oder Geruch Filter, Zulauf und Entnahme prüfen.

Wie groß muss der Tank sein?

Für die Hausnutzung reicht oft ein kleinerer Tank als gedacht, weil der Verbrauch gleichmäßig ist. Entscheidend ist, ob das Dach genug liefert. Eine vierköpfige Familie braucht für WC mit Spartaste und Waschmaschine rund 53 m³ im Jahr. Der Zisternen-Rechner zeigt dir Ertrag, Bedarf und Tankgröße für deine Postleitzahl.

Häufige Fragen

Muss ich eine Regenwasseranlage für das WC anmelden?

Ja, beim Gesundheitsamt. Nach § 12 der Trinkwasserverordnung zeigst du die Anlage spätestens vier Wochen vor Baubeginn an. Zusätzlich teilst du dem Wasserversorger mit, dass du einen Teil deines Bedarfs selbst deckst, und meldest dich bei der Gemeinde wegen der Abwassergebühr.

Darf ich die Regenwasserleitung selbst verlegen?

Die Leitung, die nur Regenwasser führt, ist keine Trinkwasserinstallation. Sobald aber die Nachspeisung an das Trinkwassernetz angeschlossen oder am Hausanschluss gearbeitet wird, darf das nur ein Installationsunternehmen, das im Verzeichnis eines Wasserversorgers eingetragen ist. Praktisch lässt du die ganze Anlage vom Fachbetrieb abnehmen.

Wird die Wäsche mit Regenwasser sauber und hygienisch?

Die Wilo-Planungsunterlage sieht bei fachgerecht gebauter und gewarteter Anlage kein gesundheitliches Risiko, Keime werden beim Waschen, Trocknen und Bügeln weiter reduziert. In Kindergärten, Krankenhäusern und Seniorenheimen muss zum Waschen aber Trinkwasser verwendet werden. Im Privathaushalt entscheidest du selbst, Trinkwasser zum Waschen muss trotzdem verfügbar bleiben.

Wie viel Trinkwasser spart Regenwasser im Haus?

Wir rechnen mit 8,8 m³ je Person und Jahr für ein WC mit Spartaste und 4,4 m³ für die Waschmaschine. Für vier Personen sind das zusammen rund 53 m³ im Jahr, sofern das Dach genug Regen liefert.